Raubwildjagd: Wer den Fuchs schont, verrät den Kiebitz
Während Brachvogel, Rebhuhn und Fasan um ihre Gelege kämpfen, ziehen Fuchs, Marder und Waschbär im Spätwinter ihre Kreise. Wer jetzt wegschaut, riskiert, dass die letzten Bodenbrüter im Revier sang- und klanglos verschwinden.
Während viele noch an Winterruhe denken, stellt sich für Kiebitz, Brachvogel, Rebhuhn, Fasan und Feldhase bereits jetzt die Weiche für den kommenden Frühling: Der spätere Bruterfolg wird ganz wesentlich davon beeinflusst, wie hoch der Prädationsdruck durch Fuchs, Waschbär und Marder sein wird. Die Raubwildbejagung im Februar ist deshalb kein Selbstzweck, sondern ein zentrales Instrument zeitgemäßer Hege. Zunächst ein Blick auf die wichtigsten Arten – und zur Auffrischung in dessen Lebensweisen.
Der Generalist
Der Fuchs ist dabei der wohl bekannteste und effektivste Beutegreifer unserer Kulturlandschaft. Als hoch spezialisierter Opportunist frisst er Mäuse, Kleinsäuger, Jungkaninchen, Jungvögel, Eier, Amphibien und Aas, ebenso wie Siedlungsabfälle, Hausmüll oder Fallwild. Gerade in intensiv genutzter Kulturlandschaft konzentriert sich der Fuchs auf die wenigen verbliebenen Deckungsstrukturen, in denen zugleich auch Bodenbrüter und Niederwild ihren Lebensraum finden. Wildbiologisch ist der Februar für den Fuchs eine Schlüsselzeit: Die Ranz ist eventuell noch im Gange oder klingt gerade ab, die Rüden ziehen weite Strecken, die Fähen sind oft schon gedeckt und bereiten sich auf den Wurf im April vor. Diese erhöhte Aktivität macht den Fuchs jagdlich greifbarer, gleichzeitig entscheidet die Zahl der jetzt im Revier vorhandenen Altfüchse darüber, wie viele Mäuler im Frühjahr zu stopfen sind – mit allen Folgen für Gelege und Jungtiere von Niederwild und Bodenbrütern.
Kulturfolger im Verborgenen
Der Steinmarder, häufig der eigentliche Protagonist, wenn vom „Marder“ die Rede ist, hat ein anderes Fortpflanzungsmuster. Die Paarung erfolgt im Sommer, es gibt eine Keimruhe, und die Entwicklung der Embryonen setzt erst deutlich später ein. Die Jungtiere werden im Frühjahr geboren, im Februar sind viele Fähen noch im frühen Trächtigkeitsstadium. Der Steinmarder nutzt als Kulturfolger Gebäude, Dachböden, Scheunen, Obstgärten und Waldränder, ist ein geschickter Kletterer und eine echte Gefahr für Gelege und Jungvögel. Seine Nahrung umfasst Kleinsäuger, Vögel, Eier, Amphibien und Früchte. In kleinstrukturreichen Landschaften mit Hecken, Streuobstwiesen und Waldrändern kann er so lokal erheblichen Druck auf ohnehin geschwächte Niederwild- und Bodenbrüterbestände ausüben.

Invasiver Allesfresser
Der Waschbär wiederum ist als Neozoon ein Sonderfall. Nicht ursprünglich heimisch, hat er sich in vielen Regionen stark ausgebreitet. Seine Biologie ist die eines hoch anpassungsfähigen Allesfressers, der Nahrungsquellen vom Froschlaich über Vogelgelege bis zum Müllcontainer nutzt. Die Ranz zieht sich meist von Januar bis März hin, die Jungen werden im April oder Mai gesetzt. Anders als echte Winterschläfer verfällt der Waschbär allenfalls in eine witterungsabhängige Winterruhe. In milden Wintern bleibt er aktiv, vor allem in Siedlungsnähe und an Gewässern, wo er Amphibienbestände, Bodenbrüter und Koloniebrüter empfindlich schädigen kann. Gerade in Feucht- und anderen Schutzgebieten kann er regelrecht ausrottungsähnliche Zustände anrichten.
Jetzt den Druck senken
Aus dieser wildbiologischen Ausgangslage ergibt sich die Bedeutung einer gezielten Raubwildbejagung im Februar. Denn in dieser Phase lassen sich Fuchs, Waschbär und Marder noch vor oder zu Beginn ihrer Fortpflanzungsperiode regulieren. Eine Reduktion der fortpflanzungsfähigen Alt- und Leittiere senkt den späteren Prädationsdruck auf die ohnehin wenigen verbliebenen Bodenbrüter- und Niederwildbestände. Damit dieser Eingriff aber tatsächlich artenschutzwirksam und jagdethisch vertretbar ist, braucht es einen durchdachten Methodenmix aus Einzeljagd, Fallenjagd und – vor allem beim Fuchs – Baujagd.
Viele Möglichkeiten nutzen
Die Einzeljagd in Form von Ansitz und Pirsch ist die klassischste Methode. Im Februar nutzen wir die natürliche Aktivitätsspitze des Fuchses ebenso wie die verstärkte Bewegung von Waschbären und Mardern auf ihren Wechseln. Ansitze an Feldrainen, Hecken, Brachflächen, Wildäckern, Luderplätzen oder Gewässerrändern erlauben es, gezielt dort zu jagen, wo später Bodenbrüter ihre Nester anlegen werden. Gleichzeitig wird die Umgebung vergleichsweise wenig gestört, und der Eingriff bleibt auf wenige, bewusst ausgewählte Stücke begrenzt.
Reizen und Locken
Die Lock- und Reizjagd auf den Fuchs im Winter ist eine der spannendsten und zugleich effektivsten Formen der Raubwildbejagung. Im Winter, insbesondere rund um die Ranz im Januar und Februar, sind die Füchse sehr mobil, revieraktiv und stark auf Nahrung und Partnersuche fixiert. Klassisch sind Hasenklagen oder Mauspfeifchen. Richtig eingesetzt, erlaubt diese Jagdart, gezielt „schlaue“ Füchse zu überlisten.
Klappe zu, Hasen gerettet
Die Fallenjagd stellt vor allem in Siedlungsnähe, an Gewässern, in Schutzgebieten und an empfindlichen Brutplätzen das wichtigste Werkzeug dar, um Raubwild lokal und effektiv zu steuern. Moderne, tierschutzgerechte Lebendfallen, die rechtlich vorgeschriebene Kontrollintervalle einhalten, ermöglichen einen gezielten Fang von Fuchs, Waschbär und Steinmarder bei gleichzeitiger Chance, Fehlfänge umgehend unversehrt wieder freizulassen. Im Februar gehen die Raubsäuger gut auf Köder, da das natürliche Nahrungsangebot begrenzt ist und die Tiere verstärkt auf leicht verfügbare Ressourcen reagieren. Gerade Waschbären lassen sich an Teichen, Bachläufen, Fischteichen und an den Rändern von Feuchtwiesen über unterschiedliche Fallensysteme wirksam bejagen. Für den Artenschutz ist das insofern bedeutsam, als dass auf diese Weise punktgenau an den Hotspots der Prädation angesetzt werden kann: dort, wo seltene Wiesenbrüter rasten, wo Koloniebrüter ihre Nester haben oder wo Rebhühner und Hasen ihren Schwerpunktbereich haben.

Jagen unter Tage
Eine besondere Rolle spielt die Baujagd auf den Fuchs. Der Fuchs nutzt im Winter und Vorfrühling verstärkt seinen Bau als Ruhe- und Rückzugsort, Fähen bereiten sich auf das Wölfen vor. Die Baujagd, sei es am Natur- oder bevorzugt am Kunstbau, erlaubt einen direkten Eingriff im Kernbereich des Fuchsreviers. Mit gut ausgebildeten Erdhunden und klarer jagdlicher Disziplin kann der Fuchs zur Ausfahrt gezwungen und sauber vor dem Bau erlegt werden. An Kunstbauten ist die Situation kontrollierter, die Gefahr für Hunde geringer. Im Februar ist in vielen Revieren die letzte Phase erreicht, in der eine Baujagd jagdrechtlich und tierschutzethisch zu vertreten ist, bevor Setzzeiten und die unmittelbare Jungtieraufzucht beginnen. Wird hier sorgfältig gearbeitet, können gezielt revierprägende Füchse entnommen werden, deren Nachkommenschaft später einen erheblichen Druck auf Gelege und Nachwuchs ausüben würde.
Die Kombi macht‘s
Alle drei Methoden – Einzel-, Fallen- und Baujagd – entfalten ihren vollen Nutzen nur dann, wenn sie in ein sinnvolles Revierkonzept eingebettet sind. Wer im Februar konsequent und fachlich sauber Raubwild bejagt, wird schnell Bruterfolge von Kiebitz, Enten, Rebhuhn und Fasan verzeichnen, und natürlich kann sich auch der Feldhase wieder besser behaupten.
Die Notwendigkeit der Raubwildbejagung im Februar ergibt sich also nicht aus jagdlicher Tradition oder blindem Aktionismus, sondern vor allem aus der Verantwortung gegenüber gefährdeten Arten in einer von uns Menschen geprägten Kulturlandschaft.
Anpacken statt Zuschauen
Wir als aktive Naturschützer sind es, die die Populationsschieflage zwischen Beutegreifern und Bodenbrütern korrigieren müssen. Wer es ernst meint, kommt daher an einer konsequenten, wildbiologisch fundierten Raubwildbejagung im Spätwinter nicht vorbei. Der Februar ist dabei die Schlüsselphase: Hier entscheidet sich, ob wir den Prädationsdruck auf ein verträgliches Maß begrenzen können – oder den letzten Restbeständen an Bodenbrütern und Niederwild beim Verschwinden zusehen. Benedikt Schwenen